Lange vor dem Glamour und den rauschende Partys von denen eine Band begleitet wird, gibt es die Person mit dem Musikmanagement Masterplan. Einen Menschen, der die Vision der Band immer im Auge behält und darauf achtet, dass Alles in die richtigen Bahnen läuft. Den Manager.

MMN: Musikmanagement setzt ziemlich früh ein. Bevor eine Platte veröffentlicht wird und bevor Booking-Anfragen kommen. Wie plant man die Karriere eines Musikers oder einer Band?

Prof. Dr. Martin Lücke: Strukturiert. Das klingt zwar einfach, aber daran scheitern doch die meisten Projekte und letztlich lässt sich auch der Aufbau eines Künstlers, einer Band als Projekt beschreiben, wenn auch eines mit Unbekannten und Variablen. Zunächst muss ich einmal klären: „Was will denn der Künstler?“ „Gibt es dafür einen Markt?“ sowie „Wen wollen wir ansprechen?“ Denn das „Wen“ bestimmt das „Wie“. Seien wir aber auch ganz ehrlich, Musik ist ein hedonisches Gut. Wir brauchen es eigentlich nicht zum Überleben, und so kann ich auch niemanden zwingen, es zu kaufen oder erst einmal zu hören.

Was ich benötige ist:

  • a) gutes musikalisches Material
  • b) authentische Künstler, die Ihre Musik verkörpern können und
  • c) eine enge Bindung zu meinen Fans, denn diese sind mein wichtigstes Gut als Künstler.

MMN: Wie wichtig sind für einen Musikmanager verbündete in der Branche?

Prof. Dr. Martin Lücke: Verbündete bzw. Kontakte sind das A und O. Man muss andere von den Qualitäten seines Künstlers, seiner Musik überzeugen können. Das ist umso einfacher, je eher ich einen „Fuß“ in der Türe habe, denn die Musikwirtschaft ist von Arbeitsteilung geprägt. Nicht jeder kann alles, bzw. sollte alles können. Es ist dabei auch wichtig, bestimmte Aufgabenbereiche in professionelle Hände zu geben und damit das Gesamtprodukt zu fördern. Wenn ich Mitstreiter dafür habe, die genau wissen, was ich für Vorstellungen habe, dann macht das die Zusammenarbeit einfacher, schneller und damit auch kostensparender.

Ein Musikmanager/Künstlermanager sollte mit dem Künstler eine Vision oder ein Ziel entwickeln. Klick um zu Tweeten

MMN: Unterstützt Musikmanagement auch die Visionen und Ziele der Künstler?

Prof. Dr. Martin Lücke: Zumindest sollte das ein guter Musikmanager machen. Ein Musikmanager im Sinne eines Künstlermanagers sollte immer für den Künstler da sein und im Idealfall mit Ihm gemeinsam eine Vision oder ein Ziel entwickeln und dann auch unterstützen. Es gibt immer wieder Beispiele, dass Künstler in eine andere Richtung gedrängt werden, die einen kurzfristigen Erfolg verspricht. Im Endeffekt bleibt dieser aber nur temporär. Dieses konnte man schon bei Roy Black sehen, der eigentlich Beat-Musiker sein wollte, und auch heute gibt es sicherlich einige Künstler auf den Bühnen der Welt, die nicht sich verwirklichen, sondern auf den Markt reagieren. Denn Geld ist doch das, was viele im Endeffekt am meisten interessiert.

MMN: Wo liegen die Unterschiede zwischen Künstlermanager, A&R-Manager und Produktmanager?

Prof. Dr. Martin Lücke: A&R- sowie Produktmanager sind in der Regel bei einem Label angestellt. Sie kümmern sich darum, dass Künstler und Repertoire optimal zusammengeführt werden und dass daraus ein zu vermarktendes Produkt entwickelt wird. Das beinhaltet Fragen, ob es ein Juwel-Case gibt, eine limitierte CD mit aufwändigen Booklet etc. Ein Künstlermanager ist hingegen an den Künstler gebunden und arbeitet in dessen Interesse. Er ist also das Bindeglied zwischen dem Künstler auf der einen und einem Label, Verlag, etc. auf der anderen Seite.

MMN: Was muss ein Musikmanager wissen über Musiksoziologie und Musikpsychologie?

Prof. Dr. Martin Lücke: Sie sprechen dies an, da wir in der Studienrichtung Musikmanagement an der MHMK beide Fächer in unserem Curriculum verankert haben. Dies ist auf meine Initiative hin geschehen und entsprechend überzeugt bin ich, dass beide Fächer wichtig sind. Denn ich lerne zum einen, was durch Musik im Kopf passiert und welche Hörertypologien es gibt. Zum anderen lerne ich die Genderthematik kennen und beschäftige mich auch mit soziologischen Themen in Bezug auf die Musikproduktion. Musik hat neben der wirtschaftlichen und künstlerischen auch immer eine gesellschaftliche Bedeutung und genau diese soll dadurch verstärkt vermittelt werden.


Ein Musikmanager ist das Bindeglied zwischen dem Künstler, einem Label und dem Verlag. Klick um zu Tweeten

MMN: Wie können Musiker überhaupt noch über einen längeren Zeitraum in der schnelllebigen Musiklandschaft am Markt bestehen?

Prof. Dr. Martin Lücke: Das ist die schwierigste aller Fragen. Und offen gesagt, eine Blaupause kann ich dafür auch nicht geben, zu schnelllebig ist inzwischen der Musikmarkt geworden. Wichtig ist und bleibt jedoch die Bindung zum Fan, denn nur mit meinen Fans kann ich langfristig erfolgreich sein. Die Wege dahin sind unterschiedlich, entweder durch regelmäßige Tourneen, neue Aufnahmen oder auch andere Ereignisse. Darüber hinaus muss aber auch der Künstler den langfristigen Erfolg wollen, der nur über harte Arbeit zu erreichen ist!

MMN: Ein Fünftel der täglichen Musiknutzung findet im Internet statt. Die Digitalisierung der Medien stellt den Musikmarkt vor radikal veränderte Bedingungen. Welche neuen Herausforderungen und Möglichkeiten ergeben sich dadurch für das Musikmanagement?

Prof. Dr. Martin Lücke: Die neue Zeitrechnung, die spätestens vor 15 Jahren begonnen hat, ist für alle Beteiligten sehr schwierig. Die Einnahmen durch physische Tonträger sinken zwar, auf der anderen Seite steigen die Umsätze durch Konzerttätigkeiten. Die Einnahmen im Digitalen können die Verluste aus dem physischen Geschäft noch lange nicht wettmachen, auch nicht Streaming. Eine aktuelle Zahl: eine französische Künstlerin erhielt nach über 70.000 Streams bei Spotify gerade einmal 246,- € ausgeschüttet, dass ist nicht wirklich viel. Auf der anderen Seite benötige ich heute nicht mehr unbedingt ein Label, um überhaupt am Markt in Erscheinung zu treten. Trotzdem braucht man, wenn man wirklich erfolgreich sein möchte, doch das Know-how eines Labels, dass vor allem über langfristigen und ausgezeichneten Musikvertrieb verfügt. Ein Musikmanager muss dies alles wissen, er muss damit umgehen können.


Ach ja, und Verträge zu verstehen, wäre wirklich vom Vorteil! Klick um zu Tweeten

MMN: Vor welchen Fehlern kann Musikmanagement eine Band oder einen Musiker bewahren?

Prof. Dr. Martin Lücke: Ein Musikmanager sollte die richtigen Leute aussuchen, die mit einer Band zusammenarbeiten. Zudem kann er darauf achten, dass eine Band auf dem Boden bleibt und sich um Ihre Karriere kümmert. Er muss den Überblick über die Finanzen haben und dafür Sorge tragen, den Umgang mit den Medien zu professionalisieren. Ach ja, und Verträge zu verstehen, wäre wirklich vom Vorteil!

MMN: Einen Künstler aufzubauen ist ein langwieriger Prozess. Wie lässt sich einschätzen, ob eine Band oder ein Album erfolgreich sein wird?

Blog: Musikmanagement, Dr. Martin Lücke

Blog: Musikmanagement, Dr. Martin Lücke

Prof. Dr. Martin Lücke: Dazu gehören Erfahrungswerte, ein Gespür für den Markt und die aktuellen Trends und zum anderen viel, viel Glück. Paul Lincke sagte schon einmal vor über hundert Jahren: „Wenn das Publikum nicht will, können 1000 Kapellen täglich das gleiche Lied spielen, es wird nie ein Schlager daraus werden.“ Oder sagen wir es anders, ein Hit. Und Ralph Benatzky beschrieb 1927, was alles dazu gehört, um einen Schlager, einen Hit zu kreieren. Daran hat sich aus meiner Sicht bis heute nichts geändert.

Was gehört zum Schlager:

  • a) die absolute, selbstverständliche, ungekünstelte, vollkommen natürliche Übereinstimmung von Text und Musik
  • b) ein möglichst geringer Tonumfang und eine leicht singbare Melodie
  • c) ein Ins-Ohr-gehen, aber auch ein Nicht-zu-sehr-Ins-Ohr gehen
  • d) irgend eine aparte, überraschende oder zumindest unerwartete harmonische oder rhythmische, aber ja nicht melodische Wendung, der Angelhaken, mit dem die Aufmerksamkeit des Hörers gefangen wird
  • e) eine gute und logisch vorbereitete, kurze Vorstrophe
  • f) die richtige Länge oder Kürze des ganzen Opus
  • g) der psychologisch richtige Moment des Erscheinens
  • h) Aufnahmefähigkeit des Marktes, verursacht durch Aktualität des Opus, und
  • i) etwas Chance und tausend andere Imponderabilien, die sich nicht erklären lassen.“

MMN: Herr Prof. Dr. Lücke, vielen herzlichen Dank für dieses Interview und den Einblick in das Gebiet eines Musikmanagers!

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Über den Autor

Hier schreiben Nikolai Schöbel, Musiklabel-Betreiber, Musikproduzent und seit über 10 Jahren Fachmann für Onlinemarketing sowie Jens Paul, Redakteur diverser Musikmagazine (delamar, HipHophtylez) und Urgestein mit über 25 Jahren Musik-Business Erfahrung für Musik-Marketing.net.

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