Nikolai Schöbel
Nikolai Schöbel (Autor)
Hier schreibt Nikolai Schöbel, Herausgeber des Musik Marketing Magazins, Songwriter & Marketer mit Spezialisierung auf Musik Marketing.

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass der Hit bei Konzerten so gut wie immer als viertes Lied auf die Setlist gesetzt wird? Warum das so ist und wie es Dir gelingt beim Setlist-Erstellen die perfekte Dramaturgie zu finden, erfährst Du in diesem Artikel.

Die Planung des Spannungsbogens der Setlist

Dein Booking war erfolgreich und neue Auftritte stehen an? Das ist eine gute Gelegenheit um deine Setlist zu optimieren.

Ein Konzert braucht einen Spannungsbogen, ähnlich wie ein gutes Buch oder ein Film. Auf der Website Musiker-Board.de fasst es ein Nutzer folgendermaßen zusammen:

Der Anfang (eines Rock-Konzerts) muss hart sein, und das Ende verdammt gut und höllisch laut, denn genau dafür haben Leute ihr Geld am Ticketstand gelassen.

Quelle: Bleecker Street Boogie, Musiker-Board.de

Er meint damit: Dein Konzert muss einprägsam beginnen und fulminant enden. Natürlich muss Dein Publikum auch während des gesamten Konzerts bei Laune gehalten werden und das schaffst Du in der Regel so:

Du steigerst mit verschiedenen Songs die Spannung und nimmst sie wieder zurück. Die Taktung, in der Du die Intensität der Songs erhöhst, sollte dann immer dichter werden. Am Ende kommt dein absolutes Highlight und schließlich die Zugaben.

Band Setlist-Template: Der Aufbau einer Setlist

Tipps zum erstellen einer guten Setlist
Eine gute Dramaturgie ist die Basis für einen erfolgreichen Gig

Der Aufbau einer Setlist kann – und muss – je nach Musik-Genre und Repertoire völlig unterschiedlich ausfallen. Die nachfolgende Setlist ist ein Beispiel einer Rockband mit 18 Songs (inkl. Intro und Outro), anhand der ich den Aufbau des Spannungsbogens darzustellen möchte (es ist kein Problem, wenn Du als neue Band nicht so viele „Highlight-Songs“ hast).

#DramaturgieBemerkung
1IntroPublikum in Schwingung bringen
2OpenerSong der immer funktioniert, beliebter Live-Song
3SteigerungAuftakt zum ersten Highlight
4Leichte Senkung
5Erster HöhepunktHighlight-Song *, z. B. aktuelle Single
6SenkungRuhiger Song, Spannung neu steigern
7Leichte Steigerung
8Steigerung
9Zweiter HöhepunktHighlight-Song *, z. B. Single, Publikumsliebling
10 - 14SteigerungDer Endspurt, bis Höhepunkt steigern
15Absolutes HighlightHighlight-Song *, z. B. Single, beliebter Live-Song
16Zugabe 1: Zweites HighlightHighlight-Song *, z. B. Single, beliebtester Live-Song
17Zugabe 2: Drittes HighlightHighlight-Song *, z. B. ruhigerer Song, Publikumsliebling, akustisch
18Outro

* Highlight-Song: Ein Song, der meistens gut bei dem Publikum ankommt.

So liegen zwischen den Top-Songs immer wieder ruhigere Songs und zum Ende hin werden die dramatischen oder emotionalen Höhepunkte immer dichter gesetzt. Dazwischen gibt es immer wieder keine Hüpf- und Mitklatschstücke.

Bei der Erstellung der Setlist solltest Du auf die Spannung und Abwechslung achten. Es dürfen gerne einmal zwei, drei Songs in die gleiche Richtung gehen. Das hilft dir dabei, die jeweilige Stimmung zu verkörpern. Songs mit ähnlichem Beat oder ähnlichen Melodien dürfen aber niemals zusammenliegen. Es sollte außerdem keine zu starken Brüche oder zu viele abrupte Wechsel geben, die das Publikum irritieren könnten.

Setlist erstellen: Die Analyse vergangener Konzerte

Weist Du, warum Metallica nie zweimal die gleiche Setlist spielen? Der Spotify-CEO Daniel Ek erklärte, dass die Band vor der Erstellung der Setlist die lokalen Spotify-Daten durchsieht. Die Band sieht sich hierfür die beliebtesten Songs für einzelnen Konzertort an und schreibt diese auf eine auf diesen Ort zugeschnittene Setlist.

Tipp: Schaue dir an, welche Songs Du in den letzten Jahren in dieser Stadt gespielt hast. Dann identifiziere Songs, die gut ankamen und solche, die lokal unterschiedlich vom Publikum nahezu angebetet wurden. Letztere kannst Du auch mit Spotify Analytics identifizieren. Versuche, diese Songs zu variieren und so Abwechslung reinzubringen. Damit kannst Du Fans eine unterschiedliche Setlist und damit neue Live-Erfahrung zu bieten.

Das Konzert-Intro: Publikum in Schwingung bringen

Intro für eine gute Setlist
Das perfekte Intro bringt das Publikum in die richtige Stimmung

Der begnadete Pianist Nils Frahm spielt zu Beginn seiner Konzerte mehrere Minuten lang nur ein und denselben Ton, damit jeder im Publikum in die gleiche Schwingung kommt.

Dein Publikum braucht immer, um sich auf eine bestimmte Stimmung einzustellen. Die Besucher kommen aus den unterschiedlichsten Situationen zum Konzert: Von der Arbeit, aus dem Familienalltag, von der Uni. Das Intro soll sie auf deine Musik vorbereiten und in einen passenden Gefühlszustand bringen, damit sie sich auf deine Musik einlassen können.

Tipp: Stelle Dir die Frage „Wie kann ich meine Zuhörer in die passende Stimmung für das Konzert versetzen?“ Überlege Dir dazu eine passende Playlist, die vor dem Konzert läuft oder schreibe ein Intro, dass die Menschen in die richtige Schwingung bringt.

Der Gig-Opener: Mitreißen und gut reinkommen

Der Opener sollte deinen Stil gut abbilden. Es sollte ein Song sein, der vorwärts geht und die Leute mitreißt. Hänge die Latte mit diesem Song aber nicht zu hoch, schließlich sollst Du die Performance im Laufe des Konzerts noch steigern können.

Bestenfalls ist der Opener ein Lied, das Du (und deine Band) in- und auswendig kannst. Du musst dich wohlfühlen, damit Du selbst gut reinkommst. Nur so kannst Du auch das Publikum mitreißen. Spiele als erstes Lied daher auf keinen Fall einen neuen Song.

Auch ein noch so ausführlicher Soundcheck bildet nicht den tatsächlichen Sound vom Konzert ab. Das hat mehrere Gründe:

  • Es bleibt nicht immer die Zeit für einen ausführlichen Soundcheck.
  • Die Band spielt live anders als bei einem Soundckeck.
  • Die Akustik verändert sich, sobald das Publikum im Raum ist.

Tipp: Damit die Akustik von Beginn an überzeugt, sollte die erste Nummer nicht von penibel guten Klang abhängig sein; sie sollte auch unter schlechteren Soundbedingungen gut funktionieren. Somit kann dein Mischer den Sound nachjustieren. Denn: Der finale Live-Mix steht immer erst nach dem Opener.

Die Rampe: Auftakt zum ersten Highlight

Der nächste Song sollte einen draufsetzen und darf ruhig etwas schneller sein. Dieses Lied sollte möglichst schnell auf den Opener folgen. Wähle hierfür einen Song aus, bei dem Du keine Instrumente wechseln musst.

Anschließend kannst Du ein Stück bringen, welches das Ganze weiter steigert oder eines, das ein klein wenig Geschwindigkeit rausnimmt. Achte darauf, dass ein gewisser Fluss entsteht, die Songabfolgen aber nicht zu vorhersehbar werden.

Schließlich sollte der erste Highlight-Song kommen. Ein Song, der richtig abgeht und die Leute mitreißt. Womöglich ist es die aktuellste Single oder ein Song, den die meisten Menschen kennen. Es sollte aber nicht das stärkste Lied sein; dieses solltest Du dir noch aufheben.

Tipp: Mache vor dem Highlight-Song gerne die erste Ansage und erzähle eine Geschichte dazu. So stellst Du die erste persönliche Verbindung zu deinem Publikum her.

Die Atempause: Spannung neu steigern

Der Spannungsbogen einer Setlist
Der Spannungsbogen einer Setlist – ein stetiges Auf und Ab

Nun hast Du die Möglichkeit, das erste Mal innezuhalten. Nehme das Tempo ruhig etwas heraus. Gebe dem Publikum eine Verschnaufpause. An dieser Stelle kannst Du nun eines deiner ruhigeren Lieder bringen. Du hast eine schöne Ballade? Auch gut!

Die Spannung lässt sich jetzt wieder sehr schön aufbauen. Jeder Song der nun kommt, wirkt im Gegensatz dazu flotter. Das Lied darf gerne auch wieder etwas tanzbarer werden, der Bruch sollte aber nicht zu stark sein.

Schließlich darf gerne ein schnellerer Song kommen, der die Leute weiter antreibt und sie für den nächsten Höhepunkt anheizt.

Tipp: Gebe Deinem Publikum nach dem ersten Highlight-Song eine Verschnaufpause mit einem ruhigeren Stück.

Der Kracher: Highlight in der Mitte

Jetzt kommt wieder ein Highlight-Song. Er muss keine Single sein, aber wieder einer deiner stärkeren Live-Songs. Um die Songs für die Höhepunkte zu identifizieren, kannst Du einen Blick auf Spotify werfen. Nutze die beliebtesten Songs, um die Höhepunkte zu kreieren.

Nun darf gerne wieder ein leichter Spannungsaufbau folgen. Das kann ein etwas ruhigerer Song sein, er sollte die Stimmung aber nicht zu sehr absenken. Schließlich folgt euer nächster Highlight-Song!

Der Endspurt: Dem Höhepunkt entgegen fiebern

Jetzt kannst Du die Spannung noch einmal langsam über vier bis fünf Musikstücke hinweg aufbauen. Während dieser letzten Songs solltest Du auf größtmögliche Interaktion mit dem Publikum achten. Es sollten also Songs sein mit ausgedehnten Mitmachparts.

Was sollte der letzte Song eines Konzerts sein?

Tipp: Der letzte Song sollte ein Lied sein, das bei deinen Konzerten immer funktioniert. Es sollte der Song sein, wo Du dich am meisten reinhängen kannst. Damit sollte dein Set enden, damit das Publikum zuverlässig eine Zugabe fordert.

Die Zugabe: Was sollten die Fans mit nach Hause nehmen?

Highlight an den Schluss der Setlist setzen
Das größte Highlight kommt immer zum Schluss des Konzerts

Als neuer oder unbekannter Musiker kommst Du wahrscheinlich mit einer Zugabe aus. Dies kann aber auch ein lang bewährter Song sein. Das Lied, auf das die Fans schon die ganze Zeit gewartet haben.

Wenn das Publikum dann immer noch mehr möchte, ist es oft sehr stimmungsvoll, sich mit einem sehr ruhigen Song zu verabschieden; beispielsweise einem Song, der nur mit Akustik-Gitarre ohne Begleitung performt wird. Aber das hängt natürlich vom Image und der Musikrichtung ab.

Die optimale Länge der Setlist

Du solltest das Set in zwei Ausführungen haben: Eine Version für einen Headliner-Auftritt mit 60 – 90 Minuten und eine Variante, die Du als Support-Act oder auf Festivals spielen kannst mit 30 – 45 Minuten.

Die Schwierigkeit beim Set-Schreiben ist immer die genaue Vorhersage der tatsächlichen Spielzeit. Man kann nicht von den reinen Zeiten der Aufnahmen ausgehen. Folgende Dinge kommen möglicherweise dazu:

  • Intro
  • Ansagen
  • Instrumentenwechsel
  • lange Soli
  • Pausen
  • Outro

Wenn Du einen Anhaltspunkt über die Setlist-Länge willst, dann nehme das Set bei den Generalproben auf. Falls Du live vor lauter Adrenalin etwas schneller spielst, empfiehlt es sich, ein weiteres Lied optional einzuplanen, das Du spielen oder wegzulassen kannst.

Tipp: Du solltest versuchen, die Spielzeit immer bestmöglich einzuhalten. Damit machst Du dir bei Veranstaltern und anderen Bands schnell viele Freunde. Denn niemand möchte gerne am Ende eines Konzertabends in Zeitstress geraten.

Routine erspielen: Übung macht den Meister

Nun heißt es: Testen, probieren und optimieren

Nehme Dir Zeit und arbeite mit dem Feedback deines Publikums. Probiere dabei auch gerne verschiedene Varianten aus und mache nach dem Konzert eine Analyse, was gut funktioniert.

Weißt Du, warum die Band Queen auf Konzerten in 90 % der Fälle „We Will Rock You“ und „We are the Champions“ nacheinander spielte? Weil diese Songs nacheinander noch besser ankommen. Schaue Dir an, welche Songs harmonieren und aufeinanderfolgend funktionieren und lege sie zusammen.

Wenn Du die perfekte Reihenfolge für deine Setlist gefunden hast, spiele sie ruhig einige Auftritte hintereinander. Die Abläufe müssen sich oft erst einspielen und glaube mir: Du wirst mit größerer Routine immer besser performen.

Wenn Du die Setlist ausdruckst, sorge dafür, dass wirklich jeder der Beteiligten eine hat. Denke dabei auch an den Mixer, den Lichttechniker, den Backliner und an die GEMA-Folge für den Veranstalter.

Tipp: Wirst Du von einem fremden Mischer und Lichttechniker betreut, mache gegebenenfalls Notizen, damit er weiß, welche Stimmungen die Songs haben (atmosphärisch, Gitarrist singt Backing-Vocals, etc…). Somit kann er den Sound und das Licht besser auf deine Performance abstimmen.

Sharing is caring: Gemeinsam besser werden!

Je mehr Menschen wir erreichen, umso mehr Support und Feedback erhalten wir mit wir uns weiter verbessern können. Unterstütze musik-marketing.net und ander Musiker und teile diesen Beitrag auf Social Media Kanälen oder WhatsApp:


Eine wachsende Fanbase, erfolgreiche Veröffentlichungen, tolle Konzerte und eine glückliche Zeit wünschen Dir Nikolai Schöbel und musik-marketing.net.

PS: Du hast Fragen oder Feedback? Schreibe uns an redaktion@musik-marketing.net.

PSS: Werde Teil unserer Facebook-Gruppe und tausche dich mit anderen Musikern über Musik Marketing Tipps, Musikbusiness & Musikmanagement aus!

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.