Brauche ich ein Musikmanagement oder einen Musikmanager? Wenn wir an erfolgreiche Musikmanager denken, fallen uns sofort die Wegbereiter legendärer Bands ein. Hinter all diesen erfolgreichen Bands und Musikern steckt auch immer ein geschicktes Musikmanagement. Z. B. Brian Epstein – der Mann, der die Beatles mit einem Topf-Haarschnitt versehen und sie in Anzüge gesteckt hat. Der Mann, der den Erfolg der Band bis ins kleinste Detail plante. Der Mann, der die Band zu einer Legende machte. Grund genug dafür, sich näher mit dem Musikmanager zu befassen.

In der heutigen Zeit versuchen sich viele Band ohne einen „externen“ Musikmanager – Sie versuchen es selbst. Kontakte werden über Facebook geknüpft, Auftritte werden in Facebook Events beworben, das Band Artwork wird vom befreundeten  Mediengestalter geschärft. Die Finanzierung geschieht über Crowdfunding, die Fanbindung über den Newsletter und verkauft wird das ganze über einen unabhängigen digitalen Musikvertrieb. Was macht aber einen guten Musikmanager aus?

Musikmanager oder Musikmanagement

Ein teurer Anzug reicht nicht aus – Ein Musikmanager oder Musikmanagement sollte das Business und euer Genre kennen

Wie werde ich Musikmanager, welche Ausbildung benötige ich?

Um diesen Beruf ausführen zu dürfen, ist keine „Musikmanager Ausbildung“ nötig. Die Berufsbezeichnung Manager ist nicht geschützt (wie es zum Beispiel bei einem Arzt der Fall ist).  Einzige, was Du als Musikmanager benötigst, ist ein hohes Maß an Identifikation mit der Musik Deines Künstlers, und ein hohes Engagement.

Je länger Du in dem jeweiligen Musikgenre tätig bist, desto eher bekommst Du nach und nach Kenntnisse über die Zielgruppe Deiner Band und Du verstehst die Mechanismen der Musikbranche/des Tonträgermarktes. Als Musikmanager kümmerst Du Dich um alle wichtigen Belange des Künstlers und bist das Bindeglied zwischen Kunst und Business.

Aufgaben des Musikmanager oder Musikmanagement

Als Musikmanager bist Du der Stratege der Band und das Bindeglied zwischen den kreativen und den unternehmerischen Tätigkeiten. Die Handlungsfelder eines Musikmanagers sind so vielfältig wie das Musikbusiness:

TätigkeitsbereichErklärung
BookingDu kümmerst Dich um neue Auftritte und verhandelst mit Veranstaltern.
BusinessDu kümmerst Dich um alle Belange rund um das Vertrags- Urheber- und Verwertungsrecht.
PromotionDu sorgst dafür, dass die Musik Deines Künstlers in den Medien wie Internet, Radio, Fernsehen oder Printmedien stattfindet.
ProduktionDu betreust Musikproduktion und berätst bei der künstlerischen Entwicklung (dort wird die Funktion des Musikmanagers oft von Produzenten übernommen).
MarketingDu unterstützt den Künstler beim Aufbau einer Markenidentität und der passenden Vermarktung.

Es reicht völlig aus, wenn Du als Musikmanager die Zusammenhänge der Musikbranche verstehst. Du musst nicht in jedem einzelnen Bereich ein absoluter Vollprofi sein, um eine Band zu managen. Übernehme selbst Tätigkeiten, in denen Du bereits gut bist und delegiere andere Tätigkeiten an entsprechende Profis weiter.

Kennst Du Dich zum Beispiel gut in der Medienbranche, im Bereich Webdesign oder im Onlinemarketing aus, so könnte Dein Schwerpunkt das Erstellen der Band Homepage, des Bandnewsletters oder die Pflege der Social Media Kanäle sein. Kannst Du gut schreiben, dann wäre Dein Bereich beispielsweise die Bandbio oder die Pressearbeit.

Es ist aber auch durchaus denkbar, verschiedene Musikmanager für verschiedene Fachbereiche zu engagieren. Marteria zum Beispiel – er hat drei unterschiedliche Musikmanager: Einen für TV und Radio (Lars Grewe), einen für das Daily Business (Chris Berndt), einen für Fotos & Videos (Paul Ripke). Jeder ist auf einen Bereich spezialisiert. Schaue Dir dazu unbedingt die hier eingebundene Dokumentation an:

Management Berufe Musikbusiness (Auszug)

Die Aufgabenbereiche und Jobs im Musikbusiness sind vielfältig und umfangreich. Als Musiker verliert man hier leicht den Überblick. Durch die Arbeit des Musikmanagers wird es für Musiker möglich, sich auf ihre Hauptaufgabe zu konzentrieren: das Musizieren. Nachfolgend siehst Du einige Jobs, die Du als Musikmanager übernehmen könntest:

Jobs & Tätigkeitsfelder

Job / TätigkeitBeschreibung / Aufgaben
BookerMit Veranstaltern kommunizieren, Tourneen oder Clubkonzerte organisieren
LabelmanagerDaily Business managen, Terminkoordination, Künstler-Begleitung bei wichtigen Terminen, Vertragsangelegenheiten regeln
MusikverlegerSich um die Einnahmen aus Verwertungs-, Namens- oder Lizenzrechten kümmern
Marketer und PromoterMusikvertrieb, Marketing und PR, TV- & Radio- Promotion, Social Media Marketing
Mediengestalter Bild & TonBandartwork, Bandfotos, Bandwebsite, Musikvideos, Merchandising gestalten
ProduzentTonstudio organisieren, einen eigenen Sound kreieren, Albumproduktionen betreuen

Musik-Management & -Business Studiengänge

BezeichungHochschuleLink
Musik­management (B.A.)Macromediamacromedia-fachhochschule.de
Musikmanagement (B.A.)EMBAemba-medienakademie.de
Musik- & Kulturmanagement (B.A.)Hochschule für angewandtes Managementfham.de
Medienmanagement (B.A.)hKDMhkdm.de
Medienmanagement (B.A.)hdpkhdpk.de
Medienmanagement (B.A.)Akademie der Mediamedia-gmbh.de
Medienmanagement (B.A.)SAE Institute GmbHsae.edu

Lehrgänge

BezeichnungWeiterbildungLink
Musikmanagement IHKTA Bildungszentrumta.de

Kontakte im Musikbusiness

Baue Dir Kontakte ins Musikbusiness auf. Lege Dir dazu unbedingt eine Datenbank mit allen Kontakten, entweder als Google Docs oder einfach in Deinem Smartphone, an. Es wie wichtig, diese Kontakte zu pflegen.  Achte darauf, dass Du nicht nur auf dem Papier der Musikmanager bist, sondern, dass Du die Band bei ihren Aktivitäten begleitest. So bleibst Du regelmäßig mit Geschäftspartnern, Bookern, Veranstaltern und befreundeten Bands in Kontakt. Baue Dir einen Email-Verleier auf und informiere damit Deine Kontakte über anstehende Auftritte oder Veröffentlichungen. Du berätst Deine Musiker bei wichtigen Entscheidungen und koordinierst Termine. Kurz um: Du hältst Deinen Musikern den Rücken frei.

Musikmanager Gehalt: Einnahmen & Deals

Gage Katy Perry

Die Gage, wie sie bei Katy Perry aussehen dürfte.

Als Musikmanager kümmerst Du Dich um geschäftliche, rechtliche Belange, wie Vertragsangelegenheiten der Band. Du solltest in den Bereichen Urheber- und Medienrecht in Fernsehen, Radio, Video und Internet die richtigen Entscheidungen treffen. Die sind kompliziert und ändern sich schnell. Mach Dich vertraut mit den Gesetzmäßigkeiten im Musik Business und gängigen Verhandlungstaktiken. Wende diese fair an, ohne eine Partei zu übervorteilen.

Als Musikmanager vertrittst Du das Interesse der Musiker gegenüber potenziellen Vertrags- und Vermarktungs- und Medienpartnern. Darunter fällt auch das Verhandeln von Garagen oder Plattenverträgen. Du solltest die Finanzen im Blick haben und Dich darum kümmern, für Euch den besten Deal zu bekommen. Du solltest bei Verhandlungen immer nach einer Win-Win Situation für alle Beteiligten streben.

So bist Du auch verantwortlich für Gagen, die GEMA oder die Künstlersozialkasse. Ein Musikmanager erhält in der Regel 20 % vom Einkommen der Band. Je nach Vertrag sind hier Einkünfte aus Merchandising enthalten oder eben auch nicht.

Fazit

Musikbusiness im Wandel: Alles digital

Musikbusiness im Wandel: Alles digital

Kein Business verändert sich so atemberaubend wie das Musikbusiness. Laut Bundesverband der Musikindustrie streben heute 70 % aller Musiker Zusammenarbeit mit einer Plattenfirma an. Und dass obwohl in Zeiten von Facebook, Instagram, YouTube, Spotify und iTunes jeder die Möglichkeit hat, seine Musik selbst zu veröffentlichen.

Musikmanager stehen vor neuen Herausforderungen. Sie müssen die Erfolgschancen der Musiker richtig einschätzen und diese weltweit und Kanal-übergreifend vermarkten können. Im digitalen Zeitalter liegen dabei die Schwerpunkte bei Kenntnissen im Konzertbusiness, auf der professionellen Kommunikation mit verschiedenen Offline- und Onlinemedien sowie auf journalistischen Grundlagen als auch in Marktforschung und Betriebswirtschaft.

Wem das allerdings zu aufwendig ist, der kann sich immer noch eine externe Musikmanagement Agentur suchen.

Oder doch lieber eine Musikmanagement Agentur?

Eine Alternative zum Musikmanager ist es, eine Musikmanagement Agentur zu engagieren. Ab einer gewissen Band-Größe kann es durch aus sinnvoll sein. Musikmanagement Agenturen kümmern sich um Auftritte, die Studioaufnahmen, führen Telefonate und schreiben Mails an potenzielle Partner. Sie kümmern sich um Interviews, pflegen die Social Media Kanäle, aktualisieren die Website, engagieren Grafiker oder kümmern sich um die Finanzierung von Studioaufnahmen.

Schwarze Schafe im Musikbusiness

Schwarze Schafe im Musikbusiness

Das Musikmanagement steht Musikern und Bands bei künstlerischen Entscheidungen auch beratend zur Seite: Braucht die Band einen Coach? Sind die Songs gut genug oder muss ein Co-Songwriter gesucht werden?

Aber ACHTUNG: Wie überall im Business gibt es aber auch hier zweifelhafte Geschäftspraktiken. Die Rede ist von den schwarzen Schafen unter den Musikmanagern. Diese zweifelhaften Persönlichkeiten werben talentierte Newcomer in Castings und binden sie mit Knebelverträgen zu ungünstigen Konditionen.

Vorsicht ist dann geboten, wenn das Musikmanagement die Verwertungs-, Namens- oder Lizenzrechte an eurer künstlerischen Tätigkeit einfordert. Somit werdet Ihr zu bloßen Angestellten des Managements oder der Plattenfirma. Wichtig: Behaltet unter allen Umständen alle Rechte an Eurer Musik!

Nachwort(e)

Neue Herausforderungen für das Musikmanagement

Die neue bunte welt des Social Media im Musikmarketing

Die neue bunte Welt des Social Media im Musikmarketing

Diese neue Welt ist laut, bunt und digital. Ich erinnere mich noch gut an die Schallplatten meiner Eltern, meine ersten Musikkassetten, meine ersten CDs. Es war etwas besonderes Musik zu besitzen. Das schön gestaltete Cover in der Hand zu halten und das liebevoll designte Booklet durchzublättern. Ich hörte damals nicht nur die Musik. Ich kaufte ein physisches, reales Musikwerk, das für mich auch immer etwas Mystisches hatte. Es war etwas Besonderes, das lang ersehnte Album meiner Lieblingsband in den Händen zu halten.

Später kamen die ersten illegalen und – noch später – die bezahlten Musikdownloads. Napster wurde von iTunes und Spotify abgelöst. Der Musikmarkt wurde vollkommen auf den Kopf gestellt. Musik ist heute digital. Sie kann beliebig oft heruntergeladen, geteilt oder gestreamt werden. Sie ist virtuell – und hat damit leider an Wert verloren.

Eine Riesen Chance für Musiker und Musikmanagement: Die neue Art kreativ zu sein

Doch nicht nur die Download-Portale oder die Streaming-Anbieter haben den Wandel im Musikbusiness zu verantworten. Es liegt vielmehr an der Digitalisierung, die nicht nur die Art beeinflusst wird, wie wir Musik konsumieren. Ebenso das Produzieren von Musik ist nun kostengünstiger und für jedermann möglich geworden. Damit Du Deine eigene Musik produzieren kannst, benötigst Du heute kein teures Equipment, keinen Tontechniker und auch kein Tonstudio mehr. Für ein Musikvideo ist – dank erschwinglicher Digitalkameras – keine große Investition in fünfstelligen Bereich mehr nötig. Du bist nicht mehr auf die großen Budgets der Plattenfirmen angewiesen und der Plattenvertrag ist nicht mehr das Maß der Dinge.

Der Plattenvertrag ist schon lange nicht mehr das Maß der Dinge

Der Plattenvertrag ist schon lange nicht mehr das Maß der Dinge

Heute ist es für jeden mit entsprechend kreativem Output möglich, über YouTube ein Millionenpublikum zu erreichen. Deine Band muss nicht in der Bravo stattfinden, um von den Fans wahrgenommen zu werden und neue Fans zu erreichen. Soziale Medien wie Facebook oder Instagram sind längst die neuen Massenmedien geworden.

YouTube wird schon in ein paar Jahren (und ist schon heute für eine ganze Generation) das neue Fernsehen sein. Es ist für jeden unbekannten Musiker möglich, sich eine große Fanbasis aufzubauen und mit seinen Fans regelmäßig in Kontakt bleiben. Man muss nicht mehr in den klassischen Massenmedien stattfinden. Die sozialen Medien sind die neuen Massenmedien!

Mit kreativen Konzepten und dem strategischem gezielten Einsatz digitaler Medien, ist es für heute jedermann möglich sein eigenes, professionelles Musikbusiness aufzubauen und als Musikmanager die eigene Band zum Erfolg zu führen.

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Über den Autor

Er hat das Musik Marketing Magazin gegründet: Nikolai Schöbel – Publizist, Sänger der Band Kopfkino, Musikproduzent und Werbekaufmann mit Spezialisierung auf Musik- & Onlinemarketing.

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