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The Makemakes haben sich nicht Fragen gestellt wie z. B. „Wie bekommt man einen Song in die Charts?“. Als Sie sich im Mai 2012 gründeten hatten Sie keine Ahnung. Sie hatten keine große Fanbase, aber sie hatten einen Plan. Sie haben es einfach gemacht, getreu nach dem Motto „So machen wir’s, dann machen wir’s und gemeinsam machen wir’s!“. Plötzlich tauchten The Makemakes bei diversen Download Stores ganz oben auf. Nun sind sie erfolgreich und die „gute Popmusik von um die Ecke“ läuft in den Mainstream Radios.


MMM: Ihr habt es Anfang Mai 2012 mit Euren Hit „The Lovercall“ ausschließlich durch bezahlte Musikdownloads, wie aus dem nichts in die Charts geschafft. Wie überraschend war der Chart-Erfolg für Euch?

The Makemakes: Wir hatten uns die Latte, was Erfolg betrifft, von Anfang an recht hoch gesetzt. Von Überraschung kann man also nicht wirklich sprechen. Eher von der großen Freude darüber, dass harte Arbeit in Verbindung mit konkreter Plan-und Zielsetzung so effizient ist. Wir sind keine Kompromisse eingegangen, weder bei der Musik, noch beim Video. Alles musste für unsere Augen und Ohren perfekt sein.

Wir hatten unseren Freundeskreis und eine kleine lokale Fan-Community, die uns schon zu unseren Zeiten als „Skaverells“ treu waren. Von einer soliden Fanbase im Sinne einer national bekannten Band, konnte man also gar nicht sprechen. The Makemakes gibt’s seit dem 1. Mai 2012, begründet mit dem YouTube Release des Videos. Wir haben also mit dieser Handvoll Fans bei etwa null Komma 2 Prozent angefangen.


MMM: Am 1.Mai habt Ihr euer Video auf YouTube gestellt, Mitte Juni seid Ihr in die Charts eingestiegen, Ende Juni wart Ihr bei „Musicload“ auf Platz 1 und in den iTunes Rock Charts auf Platz 3. Wann und wie habt Ihr gewusst, dass „The Lovercall“ in den Charts eine Chance haben könnte?

The Makemakes: Die Reaktionen auf das Video waren überwältigend. Es regnete in kürzester Zeit sehr viel Lob. Die meisten Leute konnten es nicht glauben, dass The Makemakes eine österreichische Band ist und noch dazu aus Mondsee bei Salzburg kommen.

Niemand hatte zuvor von The Makemakes gehört und dann waren sie plötzlich so „steil“ unterwegs. Zu diesem Zeitpunkt hat es sich spätestens bemerkbar gemacht, dass der Tune nicht den üblichen 30 Releases der Woche aus der lokalen Indie Szene zuzurechnen ist. Zum selben Zeitpunkt tauchten wir auch schon bei diversen Download Stores ganz oben auf.


Niemand hatte zuvor von The Makemakes gehört und dann waren sie plötzlich so „steil“ unterwegs. Klick um zu Tweeten

The Makemakes zu Anfangszeiten

The Makemakes zu Anfangszeiten

MMM: Das Musikvideo zu „The Lovercall“ ist witzig. Es hat auch einen guten viralen Charakter, um über soziale Netzwerke verbreitet zu werden. Wer kam auf die Idee dazu?

The Makemakes: Hast Du Dir mal den Text zu The Lovercall genauer angehört? Da geht es richtig zur Sache, ein echter Liebesruf eben. Aber mit verliebten blinzelnden Augen, eine Herzschmerz Nummer à la Justin Bieber abzuziehen, wäre nicht unsere Schublade gewesen. Außerdem fehlten uns die 70er Jahre Muscle Cars und die großstädtische Skyline dafür. Uns standen Opel Corsa Bj. 99 und steile Berge mit saftigen Wiesen zur Verfügung und die haben das LA „Feeling“ nicht so richtig aufkommen lassen. Aber vielleicht wird es ja jetzt was damit?!? Aber zurück zur eigentlichen Frage: Das Lovesongs aus der Musik nicht weg zu denken sind und bei der musikalischen Werkschaffung seit Menschengedenken Motivationsgrundlage darstellen, steht fest. Daher sind „Love“, genauso wie „Hate“ in all ihren Ausformungen sehr oft Thema bei uns. Das Besingen der elementarsten Gefühlsregungen, die uns Menschen neben dem abstrakten Denken ja angeblich von den Tieren unterscheiden, hat eben musikalische Tradition und in dieser bewegen wir uns mit The Lovercall.

Wir wollten aber auf keinen Fall als eine Art Boyband rüberkommen, die in einen Teleprompter grinst und dabei über Ihre Sneakers stolpert. So haben wir beschlossen, uns lieber um die bildnerische bzw. künstlerische Ästhetik der visuellen Präsentation des Videos zu kümmern. Stilistische Einflüsse, die in unserem Songwriting auch eine wichtige Rolle spielen, wie die Beatles, die 60er Jahre etc. haben sich dabei dann ganz selbstständig manifestiert. Das Konzept zum Video baut auf diesen Stilistiken auf. Dass dabei der Nerv der viralen Vermarktung getroffen werden soll, stand dabei gar nicht im Vordergrund.


MMM: Wie habt Ihr das YouTube Video außerhalb von Facebook promotet?

The Makemakes: Der Link kam in ein paar Blogs, aber vor allem auch in nicht typisch Musik-affinen physikalischen Magazinen vor. Das waren wichtige Faktoren für die Viralität. Mittlerweile haben wir auch schon Freunde bei der Celebrity Press und das hilft natürlich auch gewaltig. (Lach!)


MMM: Ihr habt auf Facebook eine Aktion gemacht und Eure Fans gebeten, Euch beim „stürmen“ der Charts zu unterstützen. Wie habt Ihr die Fans in Eure Pläne eingeweiht und es geschafft, diese so zu motivieren, um Euch „in die Charts zu kaufen“?

The Makemakes: Da gab es nichts zum „einweihen“. Das war eher so: „So machen wir’s, dann machen wir’s und gemeinsam machen wir’s !“. Die Leute haben kein Problem damit, gute Popmusik von um die Ecke in den Mainstream Radios zu hören, ganz im Gegenteil, das unterstützen sie gerne. Da war sogar ein bisschen Patriotismus zu verspüren. Ein Charterfolg ist eines der bewährtesten Mittel, flächendeckend in verschiedenen Audioformaten zu landen.

Die Mainstream Radios hier in Österreich würden ja gerne mehr heimisches Schaffen ausstrahlen und sie tun es, so oft sie können. So viel Material steht Ihnen dabei aber nicht zur Verfügung. Denn es muss auch das Potential haben, flächendeckend Gefallen zu finden. So läuft eben deren Geschäft. Dass unser Sound da hineinpasst und dabei trotzdem die Credits von Alternative Institutionen wie FM4 bekommt, ist natürlich Bombe. Und genau diese Barrierefreiheit macht sich dann, was allgemeine und vor allem bezahlte Download Bereitschaft ausmacht, bezahlt.


Links in physikalischen Magazinen waren wichtige Faktoren für die Viralität. Klick um zu Tweeten

MMM: Wie schafft man es, sich als Band so eine treue Fanbase aufzubauen?

The Makemakes: Einfach gutes Zeug machen, mit dem sich die Leute gerne identifizieren, oder diverse andere Rezepte für die Begründung von Anhängertun in den Geschichtsbüchern nachlesen.


MMM: Momentan seid Ihr auf Tour, die neue Single ist in den Charts, Ihr habt Airplays usw. Welche Voraussetzungen benötigt man, um so erfolgreich als Newcomer zu sein?

The Makemakes: Den „gigantischen“ Erfolg“ muss man an dieser Stelle gleich relativieren. Das Business ist extrem hart und Erfolg stellt sich nicht, wie viele Leute meinen, über Nacht ein. Es steckt sehr viel langfristige Strategie, Durchhaltevermögen, einiges an Geld und viel Arbeit dahinter. Dieses kurze Aufblitzen, dass wir auf einem geografisch eingeschränkten Raum veranstaltet haben, kann heissen, dass wir in einem Fall unter gewissen Umständen wussten, wie es geht. Das heisst aber nicht, dass wir es beim nächsten Mal auch wissen, oder es wieder so gut machen können. Es ist nicht so, als hätten wir schon Routine im erfolgreich sein.


MMM: Wo kann man Euch demnächst Live erleben?

The Makemakes: Bis auf ein paar kleine Konzerte haben wir die Tour gerade eben „quasi“ abgesagt. Wir haben dies im Interesse unserer Arbeit im Studio getan. Wir haben Material, das jetzt unbedingt auf Band und in Endform gebracht werden muss. Live spielen wir das Zeug zum Teil schon lange, aber jetzt geht es für uns darum, mit einer feinen Auswahl von Tunes den Fans zu zeigen, worum es bei The Makemakes in Vollendung geht. Alle möglichen Leute klopfen plötzlich an unsere Tür. Wir wollen und müssen jetzt ein musikalisches Manifest erarbeiten, dass es uns einfacher machen wird, weitreichende und langfristige Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.


MMM: Was sind die Pläne für die Zukunft?

The Makemakes: Wir planen ein bis zwei Singles mit Videos zu produzieren. Das Album zu veröffentlichen und wenn alles klappt, im Frühjahr unsere neue Live Show 2013 zu planen und zu bewerben. Alle Möglichkeiten ausnutzen, die sich uns auf diesem Weg bieten.

[Nachtrag 2015 traten The Makemakes beim österreichischen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2015 für Österreich an – und steckten dort ihren Flügel in Flammen.]

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Über den Autor

Hier schreiben Nikolai Schöbel, Musiklabel-Betreiber, Musikproduzent und seit über 10 Jahren Fachmann für Onlinemarketing sowie Jens Paul, Redakteur diverser Musikmagazine (delamar, HipHophtylez) und Urgestein mit über 25 Jahren Musik-Business Erfahrung für Musik-Marketing.net.

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