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MMM: Es soll ja noch Menschen geben, die den Meister des Band Artwork noch nicht kennen. Könntest Du Dich für diese Menschen kurz vorstellen?

Schwarwel: Hallo, ich bin Schwarwel, 43 Jahre alt, trockener Alkoholiker und seit vier Jahren vegan. Ich arbeite im Leipziger Studio “Glücklicher Montag” als Art Director, Grafiker, Illustrator, Storyboarder und Trickfilm-Regisseur. Weiterhin biete ich seit zwei Jahren täglich bundesweit, tagespolitische Karikaturen an, gebe Kurse und Workshops an der Leipziger Volkshochschule und im Zeitgeschichtlichen Forum.

MMM: Da bist Du ja jeden Tag gut beschäftigt

Schwarwel: Ja, dass kann man wohl sagen und weil mich das ganze noch nicht ausgefüllt hat, bin ich noch Comicautor geworden „Schweinevogel“ und arbeite an Graphic Novels wie ”Seelenfresser“.

MMM: Wie bist Du dazu gekommen Band Artwork zu entwerfen?

schwarvels band artwork die bestie in menschengestalt

Die Platten-Cover der erfolgreichesten Die Ärzte Alben gehen auf sein Konto

Schwarwel: Seit meiner Jugend in der DDR, bin ich dem Punkrock und der Musik im Allgemeinen verbunden gewesen. Ich schrieb Songs und Texte, machte als Sänger bei den Bands Born Cool und Tishvaisings mit und kümmerte mich damals schon um das Artwork der jeweiligen Band. Als die Wende in der DDR kam, war ich Zeichner und Layouter für das Underground Fanzine  “Messitsch”. Das kleine Mag war so erfolgreich, dass es 1990 in Berlin zu einer Musikzeitschrift für den Kiosk wurde und ich war für das Layout des Magazins verantwortlich. Doch das reichte mir nicht. Ich war Jung und hatte genug Energie, dass ich neben meinen Comics noch Poster, Plattencover für befreundete Bands und Clubs entwarf. Meine Arbeit sprach sich schnell rum und so kamen Aufträge, wie Die Prinzen, Rosenstolz oder die Ärzte zustande.  

MMM: Du hast mittlerweile schon eine Vielzahl an Band Artwork gestaltet. Was gefällt Dir an dieser Arbeit am meisten?

Schwarwel: Dass ich davon Miete, Wasser, Strom und Nahrung bezahlen kann. Aber am Meisten liebe ich die Aufträge, bei denen mir der Auftraggeber soviel Vertrauen entgegen bringt, dass ich freie Hand in der Gestaltung habe. Aus diesen Aufträgen sind bis jetzt die besten Ergebnisse entstanden.

MMM: Wie beginnst Du die „Arbeit“ (z.B. an einem neuen Projekt für eine Band) und woraus ziehst Du Deine Inspiration für neue Ideen?

Schwarwel: Da gibt es keine festgelegten Regeln. Die Anfangsbedingungen spielen eine enorme Rolle: Was soll es werden? Wofür wird es gebraucht? Welche Ideen und Vorgaben des Kunden bzw. des Auftraggebers gibt es? Wieviel Zeit steht für die Umsetzung zur Verfügung? Wie hoch ist das Budget, dass zur Verfügung steht?

Sind die Grundfragen geklärt, sauge ich alles auf, was ich im Bezug auf das Projekt finden und bekommen kann: Musik, Texte, Image, CI-Manuals, Zielgruppen und Fanbase.

Dann gehe ich erstmal mit den Hunden raus und denke an gar nichts. Danach skribble ich die Ideen und setze sie im besten Fall so um, wie sie dem vorgeschlagenen Ergebnis am nächsten kommen, um die Grauzone der Missverständnisse möglichst klein zu halten.

MMM: Was zeichnet ein tolles Band Artwork aus?

Schwarwel: Ein tolles Band Artwork sollte nach meiner Ansicht das Gefühl bildlich vermitteln, dass die Band im Hörer auslösen bzw. „besetzen“ möchte. Dabei halte ich es für egal, ob das mit einem Ölgemälde, einer Fotomontage, einer Bleistiftskizze oder einer reinen Schrift-Lösung erreicht wird.

MMM: Wieviel Zeit sollte man für die Gestaltung des Band Artwork einplanen?

Schwarwel: Man sollte stets so viel Zeit einplanen, wie der Auftraggeber /Kunde zu zahlen bereit ist, bzw. zahlen kann. Es kommt in solchen künstlerischen Dienstleistungsbereichen häufig vor, dass der Auftraggeber/Kunde sein Umfeld „emotional verhaftet“ und die Dienstleistung plötzlich sowas wie ein kleiner oder großer Gefallen ist, den man dem Auftraggeber/Kunden tut. Dem ist nicht so. Es ist eine Dienstleistung, bei der ein Künstler oder künstlerisch Begabter seine Fähigkeiten, seine Fertigkeiten und seine Kunst in den Dienst einer Sache stellt.

Ein Auftrag wie ein T-Shirt-Design ist allein oft aufwändig, wenn kein größeres Projekt drumherum besteht, da man sich Ideen, Styles und sonst was ja trotzdem aufhelfen muss, um gute Arbeit abliefern zu können. Wenn ein Auftraggeber/Kunde ein Gesamtprojekt umgesetzt haben möchte, ist das bei weitem sinnvoller, sofern eine einheitliche Corporate Identity geschaffen oder weiterentwickelt werden soll. Ein einheitliches Auftreten im Gesamtprojekt macht schon allein Sinn, weil in dieser lauten, grellen Welt voller Verlockungen das Fenster, durch das man wahrgenommen werden kann, ohnehin schon recht klein ist. Da ist es eher kontraproduktiv, wenn bei jedem Badge ein völlig neues Design angewendet wird. Allgemein bin ich für eine klare CI, ein klares Logo und ein klares Auftreten – keep it super simple.

MMM: Was sind Deiner Meinung nach die größten Fehler, den man bei der Gestaltung von Band Artwork machen kann?

Artwork Rosenstolz

Schwarwels Artwork ein Musikvideo der Band Rosenstolz

Schwarwel: Der wohl größte Fehler ist, auf den Auftraggeber zu hören, obwohl man weiß, dass es falsch ist. Das bringt nur Unmut und am Ende eine Gestaltung, mit der niemand zufrieden ist, weil sie weder Fisch noch Fleisch ist. Dann lieber Maschinen STOP und nochmal von vorn. Der Auftraggeber hätte die Gestaltung selbst gemacht, wenn er es könnte, weil Ihm das Zeit, Nerven und Geld spart, also wird es wohl einen Grund geben, warum er damit zu Dir gekommen ist: deine Fähigkeiten. Ansonsten gibt es an jeder Ecke einen Stempel-Schmidt, der grafische Dienstleistung von der Visitenkarte bis zum Firmenkatalog anbietet. Dort kann man seine Ideen ja auch umsetzen lassen.

MMM: Was ist Dein persönliches Lieblings-Artwork einer Band?

Schwarwel: Gute Frage, die Pet Shop Boys hatten immer sehr gutes und stricktes Band Artwork. Dagegen fand ich die Umsetzung von Type-O-Negative nie so gut, aber Ihre CI mit Steeles (Schwarz-Grün-Weiß) fand ich immer stark. Dann Cover von “Never Mind The Bollocks – Here’s The Sex Pistols”, “Ramones” oder “London Calling” von The Clash, halten Ihr Versprechen, was einen beim Hören des Albums erwartet. The Velvet Underground und Nico’s “Bananencover” von Andy Warhol ist dagegen lächerlich, aber Warhol hat damit geschafft, was er wollte: sich und die Band zementieren. Dann die Zunge der Rolling Stones, der originale Motörhead-Kopf (der weiße, nicht der blöde schwarze). Das AC/DC-Logo, das Kiss-Logo und nicht zu vergessen, Mein Dreipunkt ä von Die Ärzte. Es gibt so viele gute Artworks.

MMM: Auf welche neuen Artworks von Dir dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Schwarwel: Momentan arbeite ich an einer 40-seitigen Graphic Novel, für die Horror-Punkband “The Other”, die im Juni pünktlich zum Comic Salon Erlangen und zum gleichzeitigen Album Release der Band erscheint wird. Die Novel basiert auf altbekannte und noch nie gehörten Lyrics der Band.

Des weiteren gestalte ich gerade Poster und Band Artwork für Firebirds, dem Leipziger Courage Festival und befasse mich mit Umschlaggestaltung für den Musikbuch Verlag Bosworth Music.

MMM: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit Deiner Arbeit!

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Über den Autor

Hier schreiben Nikolai Schöbel, Musiklabel-Betreiber, Musikproduzent und seit über 10 Jahren Fachmann für Onlinemarketing sowie Jens Paul, Redakteur diverser Musikmagazine (delamar, HipHophtylez) und Urgestein mit über 25 Jahren Musik-Business Erfahrung für Musik-Marketing.net.

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